Was heißt hier “Typisch Norddeutsch” – Helmut Feldmann und Ahlrich van Ohlen

Bild: Helmut Feldmann – Aufsteigender Nebel, 2020, Kupferdruckfarbe

Ausstellung im Palais Rastede

Was heißt hier “Typisch Norddeutsch”?
Helmut Feldmann und Ahlrich van Ohlen

 

 

 

Vor dem Hintergrund steigender Inzidenzwerte sagt der Kunst- und Kulturkreis die Ausstellung, die am 25.4.2021 eröffnet werden sollte, in Absprache mit Ahlrich van Ohlen und Helmut Feldmann schweren Herzens ab; Beiden Künstlern liegt gerade die Vermittlung ihrer Arbeiten am Herzen, doch Gespräche vor Ort, Führungen und Workshops wären nicht oder nur mit großen Einschränkungen möglich gewesen. Sobald sich die Situation verändert, wird ein Ersatztermin gesucht.

„Was heißt hier ´Typisch Norddeutsch‘“? Mit dieser Frage hatten die beiden Künstler die Ausstellung im Palais überschrieben und dazu gearbeitet. Wie intensiv beide im Dialog stehen, zeigt nicht nur die Ausstellungsplanung, sondern auch das Entstehen von Gemeinschaftsarbeiten. Sich darauf einzulassen erfordert großes Vertrauen und Respekt vor dem künstlerischen Schaffen des jeweils anderen. Im selben Ort geboren, nämlich in Detenerlehe in Ostfriesland, pflegen die beiden Künstler seit vielen Jahren eine intensive Freundschaft und haben bereits ein gemeinsames Ausstellungsprojekt im Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn verwirklicht. Beide waren zudem in der Vergangenheit mit einer Einzelausstellung im Palais Rastede vertreten.

Helmut Feldmann zeigte im Palais Rastede eine Auswahl seiner malerischen und (druck-)grafischen Arbeiten, in denen er mit Farbflüssigkeiten, Druckträgern und beim Farbauftrag experimentierte. Naturansichten von dichter Atmosphäre und mit Hell-Dunkel-Kontrasten bestimmen wesentlich sein Werk. Er verwendet für diese Arbeiten Kupferdruckfarben, die er in lasierenden Farbschichten dünn übereinander aufträgt. Spuren dieses Auftrags – oft mit dem Handballen – bleiben sichtbar und erzeugen dramatische Wolkenformationen über der tief liegenden Horizontlinie oder stimmungsvolle Moorlandschaften mit Gräsern und dichtem Strauchwerk. In Helmut Feldmanns Landschaften entdecken wir unberührte, auch geheimnisvolle und stimmungsvoll aufgeladene Natur. Typisch norddeutsch? Ja! Gerade während des zurückliegenden Jahres haben wir bei unseren Radtouren und Spaziergängen wieder intensiver die heimatliche Natur erlebt, Orte entdeckt, Wege erkundet, Wind und Regen gespürt und Sonnenuntergänge beobachtet.

Wenn wir aber ehrlich sind … Wo der Künstler in seiner Komposition jeglichen menschlichen Eingriff ausblenden kann und wir seine stimmungsvollen Landschaften mit eigenen Deutungen und Stimmungen verbinden können, wird die Suche nach unberührter Natur im Freien ein schwieriges Unterfangen. Ist nicht alle Natur um uns herum Kulturlandschaft, also von Menschen geprägt und gestaltet?

In diesem Sinn interveniert Ahlrich van Ohlen – natürlich in Abstimmung mit Helmut Feldmann. Ausgewählte Landschaftsarbeiten Helmut Feldmanns bedruckt er mit satten Farben und Zeichen menschlicher Eingriffe. Uns wird vor Augen geführt, dass wir ständig in Landschaftsbilder eingreifen – gestaltend, überformend, aber auch zerstörend.

Die abstrahierten Landschaften Ahlrich van Ohlens sind von Strukturen geprägt, die uns an Straßen, Wege, Kanäle oder Strukturen von Siedlungen oder Landwirtschaft denken lassen.

Zentrale Fragen sind: In welcher Beziehung stehen Mensch und Landschaft zueinander? Wo befindet sich der Mensch und welchen Weg kann er nehmen? Der in Ipwege lebende Künstler arbeitet und experimentiert mit Vorliebe in den Techniken Holzschnitt und Linolschnitt. Als Druckstöcke dienen ihm z.B. auch hölzerne Fundstücke. Bis zu zehn Druckplatten, die unterschiedlich farbig gedruckt werden, verwendet er zum Teil für eine Arbeit. In seinen Puzzledrucken setzt er Einzelmotive neu zueinander und gelangt zu überraschenden Varianten aus Liniengeflechten und Farbwirkungen.

Der Dialog der Künstler und der Arbeiten wird fortgesetzt und, sobald wir können, möchten wir auch das Gespräch mit Ihnen als Publikum über die Frage Was heißt hier „Typisch Norddeutsch?“ in der Ausstellung führen.

Dr. Claudia Thoben

Ein kleiner Eindruck der für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten ist über die Bildergalerie möglich.

Wenn Sie das erste Bild per Klick öffnen und oben auf den nach rechts zeigenden Pfeil im schwarzen Feld klicken, öffnet sich die Diashow.

 

 

Gefördert von der Gemeinde Rastede, dem Landkreis Ammerland und der Oldenburgischen Landschaft mit Mitteln der Regionalbanken.